Sonntag, 5. November 2000



keil1.gif(893 Byte) Matineé Sonntag, 11 h: Was heißt hier leben?

keil1.gif(893 Byte) "Rechtswidrige" Donnerstagsdemo: Andreas Unterberger

keil1.gif(893 Byte) Widerstandstage Klagenfurt/Celovec

keil1.gif(893 Byte) Pierre Bourdieu und Raisons d'agir sind

keil1.gif(893 Byte) Prag: Polizeiprovokateur bei Demo

 

 

Diese Ausgabe hat Brigitte Rapp (br@xpoint.at) zusammengestellt.



Schickt uns bitte eure Nachrichten, Meldungen und Ideen.

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widerstand@no-racism.net

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Für Personen ohne Internetzugang gibt es aktuelle Terminankündigungen
unter der Rufnummer 589 30 22 12 (Demoforum)

Editorial
Für den Inhalt verantwortlich: Ihr.
Die Beiträge werden von verschiedenen Redaktionsteams zusammengestellt.

 

 

 

 

 

 


Wie der MUND entsteht ....




Was auf der letzten Drahdiwaberl CD
von EMI zensuriert wurde

"Schulterschluss"
(Österreich ist kein Naziland....)
mit Hubsi Kramar

Saugt euch die MP3



Fotoreportage: HumpDump over Favoriten

Teil II

DONNERSTAGSDEMO 2109


PRAG

MEXIKO-PLATTFORM







Matineé Sonntag, 11 h: Was heißt hier leben?
Zurück
From: stefan nowotny  stefan.nowotny@rs6000.univie.ac.at 


VERANSTALTUNGSREIHE:


Was heißt hier Sonntagsfrühstück? ...
Jeden ersten Sonntag im Monat findet um 11.00 Uhr ein Gespräch zur
Ausstellung "Lebt und arbeitet in Wien" im Café der Kunsthalle Wien statt.
Im Rahmen von Diskussionsrunden werden ausstellungsspezifische Themen in
einem kultur- und gesellschaftspolitischen Kontext von je drei geladenen
Gästen (KünstlerInnen, GaleristInnen, KunsttheoretikerInnen,
KunstkritikerInnen, VertreterInnen von Kunstinstitutionen) verhandelt.
Die Gespräche werden von jeweils einem/r VertreterIn des Vermittlungsteams
der Kunsthalle Wien moderiert.
Die fünf Fragen, entlang deren die Diskussionen stattfinden werden, sind:
Was heißt hier leben? (5. November)
Was heißt hier arbeiten? (3. Dezember)
Was heißt hier Wien? (7. Jänner)
Was heißt hier ausstellen? (4. Februar)
Was heißt hier Kunstvermittlung? (4. März)


1. Was heißt hier leben? (5. November)

Seit der Regierungsbildung im Februar dieses Jahres und der damit
einhergehenden Regierungsbeteiligung der FPÖ gab es zahlreiche
Protestaktionen und den Ruf nach einer Politisierung der Gesellschaft.
Viele Kulturschaffende und Kulturinstitutionen haben sich an diesem Protest
beteiligt. Gerade im Zusammenhang mit der "Widerstandseuphorie" erlebte die
alte Diskussion um das Verhältnis von Kulturproduktion und Politik eine
neue Aufladung: Was immer wieder mit "politischer Situation" vage
umschrieben wird, verwandelte Wien vom beliebigen Standort für
Kulturproduktion in einen Ort, in dessen politischem Kontext Verantwortung
zu übernehmen war. In Wien zu leben und zu arbeiten schien plötzlich zu
bedeuten, sich politisch positionieren zu müssen - zumal angesichts der
Tatsache, dass vielen Menschen das Recht, hier zu leben und zu arbeiten,
systematisch aberkannt wird.

Nach den vielen Diskussionen, die seit den Wahlen im Oktober vergangenen
Jahres stattgefunden haben, stellt sich die Frage, was sich in Österreich
seit der Regierungsbildung sowohl gesellschaftspolitisch als auch
kulturspezifisch tatsächlich verändert hat. Inwiefern hat sich die Rolle
der Kulturschaffenden, aber auch der Kunst- und Kulturinstitutionen nach
der Regierungsbildung gewandelt? Welche politischen Effekte können
künstlerische Strategien und Interventionen erzielen? Inwieweit sind diese
Strategien von bestehenden oder zu schaffenden soziokulturellen Strukturen
abhängig? Und nicht zuletzt: Wie lässt sich "hier leben" in einem
nationalistisch gefärbten Kontext überhaupt noch verstehen, oder vielmehr:
neu definieren?


DiskutantInnen:
Boris Buden, Philosoph/Publizist
Lisl Ponger, Künstlerin/Filmemacherin
Gerald Raunig, Kulturarbeiter/Autor

Moderation: Stefan Nowotny





"Rechtswidrige" Donnerstagsdemo: Andreas Unterberger
Zurück
arbeitet an seinem Image als Märchenonkel
From: "www.ballhausplatz.at"  db.work@db-site.com 


johanna hofinger www.ballhausplatz.at

Andreas Unterberger ortet in einem Leitartikel für die "Presse" Mißstände
in der Polizei. Unter anderem, daß die Polizei nicht gegen die
Donnerstagsdemo vorgeht. Das Märchen von der illegalen Donnerstagsdemo wird
offensichtlich nun auch von der "Presse" verbreitet.

Die Donnerstagsdemonstration, so läßt uns der Chefredakteur der "Presse",
Andreas Unterberger wissen, ist "rechtwidrig". Daß die Exekutive nicht
gegen die Donnerstagsdemo vorgehe, nennt er als Mißstand innerhalb der
Exekutive. Und zwar in einem Atemzug mit Übergriffen der Exekutive gegen
Bürger, der Zusammenarbeit von Polizisten mit der Ost-Mafia und der
Weitergabe von Amtgeheimnissen an Medien:

Zitiert aus dem Leitartikel der "Presse" von Andreas Unterberger:

"Warum wird (zu Recht) gegen FP-Politiker konsequent vorgegangen, in vielen
anderen Fällen nicht? Da gibt es etwa die rechtswidrige Donnerstagsdemo,
gegen die nichts unternommen wird, obwohl auf jeden einzelnen der
spärlichen Teilnehmer seit Jahresbeginn nun schon 100.000 Schilling an
Steuerkosten entfallen. Besonders peinlich, wenn ein (natürlich
sozialdemokratischer) Spitzenfunktionär dieser auf ihre sanfte Strategie so
stolzen Polizei als liebevoller Demonstrantenvater ausgemacht wird.
Oder: Warum wurde ein Polizist nicht festgenommen, der jüngst unter
Verdacht geraten ist, mit der Ostmafia zusammenzuarbeiten? Warum wird nicht
konsequent gegen Uniformierte vorgegangen, die grundlos handgreiflich
werden, statt die Bürger respektvoll als die eigentlichen Souveräne der
Demokratie zu behandeln? Wieso gab es keine ordentlichen Untersuchungen,
als das Amtsgeheimnis ständig zugunsten von Medien gebrochen worden ist?"

Die "Presse" begibt sich mit solchen Aussagen auf das Niveau einschlägiger
Bezirksblätter und Politiker, die das Märchen von der illegalen
Donnerstagsdemo ebenfalls verbreiten - und die es mit der Verfassung und
den Bürgerrechten ebenfalls nicht so genau nehmen dürften.

Denn von "rechtwidrigen" Donnerstagesdemos kann keine Rede sein. Wenn
Polizisten und deren "sozialdemokratische" Spitzefunktionäre nicht gegen
die Demonstration vorgehen, bestätigen sich auch nicht als
"Demonstrantenväter", unterlassen sie lediglich das, was laut Gesetz nicht
dürfen.

Von "illegalen" oder "rechtwidrigen" Donnerstagsdemonstrationen zu sprechen
ist aber nicht nur lächerlich, sondern eine journalistisch fahrlässige
Fehlinformation über die von der Verfassung garantierten Rechte des Bürgers.

Prinzipiell nämlich übt der Demonstrant, wenn er für oder gegen eine Sache
friedlich demonstriert, sein verfassungsrechtlich gewährleistetes Recht auf
Versammlungsfreiheit aus. Davon zu unterscheiden ist die Frage nach der
verwaltungsrechtlichen Pflicht des Veranstalters einer Versammlung, diese
anzumelden. Nur aufgrund des Umstandes, daß die Versammlung nicht
angemeldet wurde, resultiert keinesfalls das Recht der Polizei, diese
Versammlung AUS DIESEM GRUND zu sprengen. Es würde sich nämlich um einen
(ungerechtfertigten) Eingriff in ein verfassungsgesetzlich geschütztes
Recht handeln, für welchen sich die Polizei letztendlich gegenüber jedem
Teilnehmer verantworten müßte.

Ob es einen Veranstalter gibt oder nicht, ist eine Beweisfrage. Auch 5000
Leute können sich dennoch regelmäßig ohne "ordnende Kraft" zusammenfinden,
wodurch es auch keinen Veranstalter geben kann, den eine Meldepflicht
trifft. Aber auch wenn die Exekutive jedoch einen solchen ausfindig machen
kann, und dieser mit einem verwaltungsbehördlichen Strafverfahren
konfrontiert wird, ist dadurch die Demonstration als solches weder illegal,
noch die Teilnahme daran rechtswidrig.

Gegen die Kriminalisierung einzelner DemonstranInnen unterschreiben:
http://www.ballhausplatz.at/unterschriften






Widerstandstage Klagenfurt/Celovec
Zurück
From: Interkulturelles Center Vokshaus/Ljudski dom
office@ikuc.at


Liebe Leute!
Herzlichen Dank an alle, die uns unterstützt haben, vor allem jenen, die
den widrigen Kärntner Umständen zum Trotz ihre physische und psychische
Kraft aufgewendet haben, um die Widerstandstage in Klagenfurt/Celovec zu
einem beglückenden Erlebnis zu machen. Wir haben eine
Widerstandskonferenz erlebt, die frei war vom Konkurrenzkampf zwischen
Gruppen und Parteien, die  niemand aus dem regierungskritischen
Widerstand ausgegrenzt, sondern sich im Gegenteil um Einbeziehung und
Buntheit bemüht hat; das hat zu lustvollem und solidarischem Bemühen
geführt, aus unterschiedlichen Zugängen, bei Wahrung der eigenen
Identität gemeinsame Strategien gegen Rechtsextremismus und Sozialabbau
zu entwickeln - mit einer Reihe konkreter Ergebnisse. Mit dieser
positiven Erfahrung der Widerstandtage macht die Plattform Offenes
Kärnten/Odprta Koroška sowohl mit den Widerstandtagen als auch mit der
"Kulturkarawane gegen rechts" weiter.

Nachfolgend der Text, den wir auch an die Presse geschickt haben:

Lust am Widerstand
Plattform Offenes Kärnten/Odprta Koroška: Die Widerstandstage in
Klagenfurt/Celovec werden ihre Fortsetzung finden.

Die große Beteiligung an beiden Kongresstagen, die gezählten 2600
TeilnehmerInnen an der Demonstration am 28. Oktober in
Klagenfurt/Celovec und die solidarische Unterstützung von über 250
KünstlerInnen und AkteurInnen für die Kulturkarawane und den kulturellen
Teil der Demonstration sind der Beleg dafür, dass der Widerstand gegen
die Politik der schwarz-blauen Koalition in Kärnten eine bunte Sprache
gefunden hat. Besonders erfreut ist die Plattform Offenes Kärnten/Odprta
Koroška über die politische Breite der Demonstration, die über grüne und
Linksparteien bis hin zu gewerkschaftlichen, antirassistischen,
feministischen, autonomen und jugendkulturellen Gruppierungen sowie
Sprechern relevanter Kärntner slowenischer Organisationen reichte. Als
überaus erfreulich wird auch die große internationale Unterstützung aus
Italien, Frankreich, Großbritannien, Slowenien und anderen Staaten
beurteilt. Sie alle äußerten ihr Missfallen mit den Botschaften, die von
Kärnten aus andere Staaten erreichen. Die DemonstrationsteilnehmerInnen,
so schätzt die Plattform, kamen zu je einem Drittel aus Italien und dem
übrigen Ausland, aus Kärnten und aus den anderen österreichischen
Bundesländern.

Widerstandskongress: Der Widerstandskongress am 26. und 27. Oktober
wurde von rund 500 InteressentInnen besucht. Der Kongress mit
Arbeitskreisen, Vorträgen und Diskussionen ist in einer Atmosphäre der
Solidarität unter den verschiedenen regierungskritischen Gruppen
verlaufen und hat lustvolle Kommunikation über Ursachen und Perspektiven
des Widerstands geboten, die bereits konkrete Folgen zeitigen: Sowohl
die frauen-, als auch der minderheiten- und sozialpolitische
Arbeitsgruppe der Plattform peilen Folgetreffen an. Andere Aktivitäten
sind in Gespräch, z. B. ein Volksbegehren für Existenzsicherung und
Gleichheit aller in Österreich lebenden Menschen.

Mut zur Gegenwehr: Die Internationalen Widerstandstage haben die Lust am
Widerstand verstärkt und machen Mut. Widerstand hält die Plattform für
notwendiger denn je, zumal führende Kärntner Politiker ihr mangelndes
Demokratie- und Menschenrechtsverständnis immer wieder unter Beweis
stellten. Das Schüren von Fremdenfeindlichkeit, wie zuletzt durch den
Kärntner Landeshauptmann in Wien ("Beseitigung von Ausländern"),
widerspricht den Menschenrechten; die Einschüchterung von Menschen ("in
Klagenfurt traut sich kein Linker mehr zu demonstrieren") stellt
demokratische Grundrechte in Frage. Mangelndes Demokratie-Verständnis
zeigt auch die Reaktion des freiheitlichen Klubobmanns Dr. Martin Strutz
auf die aktive Teilnahme der SPÖ-Bundesrätin Melitta Trunk bei den
Widerstandstagen in Klagenfurt. Strutz beweist mit dem Vorwurf der
"Beschmutzung Kärntens" durch Trunk nur, dass er anderen Menschen das
Recht auf freie Meinungsäußerung aberkennen will, und setzt
fälschlicherweise die Kritik an freiheitlicher Politik mit Kritik an
"Kärnten" gleich.

Solange Politikerinnen und Politiker in führende Positionen gewählt
werden, die Schwierigkeiten mit demokratischen Grundwerten haben,
solange die Politik des Sozialabbaus fortgesetzt wird und
Rechtsextremismus zur Normalität gemacht werden soll, wird der
Widerstand auch in Kärnten weitergehen und die Plattform Offenes
Kärnten-Koroška weitere Widerstandstage organisieren. Der Zuspruch im
In- und Ausland wächst. Neue Unterstützungserklärungen erreichen das
Büro der Plattform. Eine Schlüsselfrage für die Verbreiterung des
Widerstands gegen die Politik der Regierungskoalition liegt laut
Plattform vor allem in der Einbeziehung jener Bevölkerungsteile, deren
Zorn gegen den Sozialabbau noch seine Sprache sucht.

Fix: Bereits fixiert ist die Durchführung einer Auktion, die von
namhaften bildenden KünstlerInnen aus dem In- und Ausland ermöglicht
wird und die der Plattform die Bezahlung offener Rechnungen ermöglichen
soll. Beschlossen ist auch die Mitwirkung an der bundesweiten Aktion
"Checkpoint Austria" am 5. Dezember. Auch die "Kulturkarawane gegen
rechts" wird weiter die monokulturelle Kärntner Landschaft beleben.





Pierre Bourdieu und Raisons d'agir sind
Zurück
in Wien zu Gast bei der Demokratischen Offensive
From: apache@sacco.indymedia.org




Comments: http://www.raisons.org/

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Article by: Raisons d\'agir
Saturday 28 Oct 2000

Email:

Summary:Pierre Bourdieu und Raisons d\'agir sind in Wien zu Gast bei der
Demokratischen Offensive

Article:
Opposition Bilden!

Wien, 10.-12. November 2000

K¸nstlerhaus

Kunsthalle

Secession

Depot

Raisons díagir

zu Gast bei der

Demokratischen Offensive

und

Republikanischer Klub

Ordinariat f¸r Kunst und Wissenstransfer an der

Universit"t f¸r angewandte Kunst in Wien

Dr. Karl-Renner-Institut

Gr¸ne Bildungswerkstatt

÷GB-Bildungsreferat

Fraktion Sozialistischer Gewerkschafter in der

Gewerkschaft der Privatangestellten

Fraktion Sozialistischer Gewerkschafter in der

Gewerkschaft der Eisenbahner

SOS-Mitmensch

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Kongreþinfo (demn"chst) unter
www.demokratische-offensive.at/opposition_bilden.html

Organisation: Gerald Eibegger, Gerald Krieghofer, Michael Vosatka



Opposition Bilden!

Der Aufschwung des rechten Extremismus ist eine Revolte in bizarren Formen.
Auch in dieser Hinsicht hat der \"Fall ÷sterreich\" europ"ische Dimension.
Denn was in ÷sterreich schon blau-schwarze Realit"t wurde, ist eine
europ"ische M–glichkeit: die populistische Revolte von Rechts.

Wenn die in einer Gesellschaft lebendigen Gerechtigkeitsideale politisch
nicht mehr repr"sentiert sind; wo der Begriff der Modernisierung zum
neoliberalen Modernisierungsjargon miþr"t; wenn Politik sich in
techokratischem Tun ersch–pft - dann droht eine \"–sterreichische
Situation\". Und die Wege aus der Krise sind verstellt - wenn wir nichts
tun. Neue Akteure sind gefordert. In ÷sterreich traten sie als
\"zivilgesellschaftlicher Protest\", dessen Parole \"Widerstand\" ist,
un¸bersehbar an die ÷ffentlichkeit.

Wir haben nicht nur die Frage nach der Legitimit"t dieser Regierung
aufgeworfen, sondern auf die Bedrohung der demokratischen Werte reagiert -
und wir haben, indem wir ihre Verteidigung in unsere eigenen H"nde genommen
haben, sie auch mit neuem Leben gef¸llt. Zivilgesellschaftliches
Engagement, das die Bedrohung der Demokratie abzuwehren versucht, macht
deshalb Demokratie sofort \"demokratischer\".

Doch so wie vor hundert Jahren am Ausgangspunkt der Erfolgsgeschichte der
klassischen Arbeiterbewegung die unaufl–sliche Verkn¸pfung der
demokratischen mit der sozialen Frage stand, so befinden wir uns heute in
einer "hnlichen Lage. Fortschritt der Freiheit und Verteidigung der
sozialen Standards bedingen einander.

Deswegen ist unsere B¸rgerrechtsbewegung im Wortsinn auch eine soziale
Bewegung. Und unser Protest agiert unter den hiesigen Bedingungen, tut aber
gut daran, seinen Blick ¸ber die Grenzen unseres Landes hinauszurichten.
Nicht alles ist kopierbar, sicherlich.

Aber es geht auch um mehr, als voneinander zu lernen. Es geht auch um den
Aufbau stabiler, europ"ischer Arbeitszusammenh"nge und Netzwerke von unten.
Es geht um den Widerstand gegen Rassismus und eine Politik der
Ungleichmacherei, aber damit auch um die Redefinition eines neuen
emanzipatorischen Projekts, einer zeitgem"þen Politik der Gerechtigkeit.
Deswegen freuen wir uns auch, daþ wir Raisons d\'Agir mit Pierre Bourdieu
und seiner Gruppe f¸r ein Arbeitstreffen ihrer \"Charta-2000\" Bewegung in
Wien gewinnen konnten. Deren Ziel, eine Gegenmacht zu den neoliberalen
Attacken aufzubauen, muþ auch unser Ziel sein.

Mit dieser Konferenz wollen wir Anst–þe aufnehmen, die Kr"fte f¸r eine
andere Politik hierzulande formieren und eine gesamteurop"ische Perspektive
des sozialen Protestes st"rken.



Programm

Vorbereitungsseminar:

Raisons d\'agir: Handlungsbedarf

Pierre Bourdieus Kampf f¸r eine europ"ische Sozialcharta

Dienstag, 7. November, 18 bis 21 Uhr

Ort: ÷GB, 1010 Wien, Wipplingerstraþe 35, Lehrsaal 1
Mit Elisabeth Nemeth (Institut f¸r Philosophie, Universit"t Wien), Alex
Neumann (Soziologe, Centre Pierre Naville der Universit"t Evry, Paris).
Silvio Lehmann (Soziologe, Republikanischer Club, Wien)
Aus organisatorischen Gr¸nden wird um Anmeldung gebeten: Telefon: 01-526 91
11 oder 53444-441.

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Konferenz

Opposition bilden!

Freitag, 10. November:

1. Konferenztag
12 Uhr, K¸nstlerhaus:

Er–ffnungsplenum

Kurze Einleitungsstatements:

Gerald Krieghofer, (Philosoph, Wien)

Franz Schultheis (Professor f¸r Soziologie, Universit"t Neuchatel, Raisons
d\' Agir)

13- 15 Uhr, Secession:

Atelier I.

Die \"demokratische Frage\" und die \"soziale Frage\" im 21. Jahrhundert.

Die Rechte betreibt Demokratier¸ckbau und Sozialabbau. Ihr stellt sich
zweierlei Widerstand entgegen. Doch dieser Widerstand wird meist von
getrennten Akteuren bestritten. Die einen k"mpfen f¸r die Verteidigung der
pluralistischen Demokratie, die anderen f¸r die Erhaltung der sozialen
Rechte der Unterprivilegierten. Wenn die populistische und neoliberale
Rechte die sozialen Errungenschaften attackiert, attackiert sie auch die
M–glichkeiten, sich gegen diese Angriffe zu wehren. Umgekehr gilt:
Verteidigung der Freiheit setzt den Kampf um eine solidarische Gesellschaft
voraus.

Speaker: Ferdinand Lacina (÷konom, Finanzminister a.D.)

Co-Speaker: GÈrard Mauger (Soziologe, Paris, Raisons d\'agir)

Co-Speaker: Birgit Sauer (Politikwissenschaftlerin, Wien)

Co-Speaker: Pierre Contessenne (Gewerkschafter, SUD-AÈrien, Paris)





13-15 Uhr, K¸nstlerhaus:

Atelier II.

Mehrerlei Europa.

Die europ"ische Integration ist die Antwort auf die Anfechtungen, die
national verfaþte Politik im Weltmaþstab erf"hrt - bietet somit die Chance,
die europ"ischen Sozialstaaten zu modernisieren. Doch f¸hrt die konkrete
Ausgestaltung dieser Integration oft zu einer Schw"chung des
Wohlfahrtsstaates. Die Integration ist als Alternative zu Nationalismus und
Krieg legitimiert, doch zeitigt sie auch Ergebnisse, die den Aufschwung
rechter und populistischer Kr"fte beg¸nstigen. Gibt es aus diesem Dilemma
einen Weg, der links und europ"isch zugleich ist?

Speaker: Yves Salesse (Mitglied des Staatsrats, Paris)

Co-Speaker: Kurt Rothschild (emerit. Professor f¸r National–konomie, Linz)

Co-Speaker: Raoul Jennar (Observatoire de la mondialisation, Paris))

Co-Speaker: Georg Hoffmann-Ostenhof (Ressortleiter Auþenpolitik \"profil\",
Wien)
Co-Speaker: Mercedes Echerer (Mitglied des Europaparlaments, Gr¸ne)


15.15 - 17.15

Secession

Atelier III.

Projekt Moderne Linke. Zwischen Korporatismus und Modernismus

Die vielf"ltigen Str–mungen der Linken sind sich h–chst uneinig. Bedeutet
f¸r die einen ein weniger an Etatismus ein Mehr an Freiheit? Oder
verschwinden mit den staatlicher Interventionsm–glichkeit die
Einfluþm–glichkeiten der Unterprivilegierten? Die einen verteidigen die
Elemente des Nachkriegskorporatismus, die anderen feiern dessen Untergang
als Freiheitsgewinn. Was sind die Elemente eines Projekts einer modernen
Linken?

Speaker: Norbert Scheed (Landessekret"r der GPA-Wien)

Co-Speaker: Caspar Einem (Abg. z. NR, SP÷, Innenminister a. D.)

Co-Speaker: Claude Debons (CFDT-Paris)

Co-Speaker: Wilfried Graf (Gr¸ne Bildungswerkstatt)

Co-Speaker: Franz-Josef Lackinger (÷GB-Bildungsreferat)

Atelier IV:

Depot

Friede den H¸tten? Krieg den Pal"sten?

Im Schatten der Glitzerpal"ste der New Economy breitet sich die Armut aus.
Sie schafft eine Unterklasse der Exkludierten, die kaum mehr eine Chance
haben, in den Arbeitsprozeþ - und damit in die \"gute Gesellschaft\" -
integriert zu werden. Und die Unsicherheit strahlt aus in die
Mittelschichten - auch sie sind immer seltener vor einem zumindest
tempor"ren Abstieg gefeit. W"hrend die Schere zwischen Reichtum und Armut
immer weiter auseinanderklafft, erfaþt weite Teile der Unterprivilegierten
ein Gef¸hl der Hoffnungslosigkeit.

Speaker: Laurent Cordonnier (÷konom, UniversitÈ de Lille))

Co-Speaker: Christophe Aguiton (Arbeitslosenbewegung, Paris)

Co-Speaker: Martin Schenk (Armutsnetzwerk, Wien)

Co-Speaker: Franz Schultheis (Professor f¸r Soziologie, Neuchatel, Raisons
d\' Agir)

Co-Speaker: Sibylle Summer (Republikanischer Klub, Wien)

Co-Speaker: Patrick Spadoni (Europamarsch-Bewegung,)

17.30-19 Uhr, K¸nstlerhaus: Plenardebatte

20 Uhr: Filmvorf¸hrung : Pas vu, pas pris (Nicht gefangen, nicht gehangen)
Von Pierre Carles,

Diskussion, Moderation: Doron Rabinovici
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Samstag, 11. November

2. Konferenztag
10- 12Uhr

K¸nsterhaus, Ranftlzimmer

Atelier V.

Die Hegemonie erk"mpfen oder: Braucht es einen linken Think-Tank?

Daþ eine solidarische Politik in Hintertreffen geraten ist, wird nicht
selten als Folge –konomischer \"Tatsachen\", der \"Realit"t\" komplexer
Gesellschaften, der \"Sachzw"nge\" einer globalisierten Welt beschrieben.
Der Siegeszug der neokonservativen Konzepte ist ein beeindruckendes
Beispiel f¸r einen erfolgreich durchfochtenen \"Klassenkampf in der
Wissenschaft.

Speaker: Keith Dixon (Professor f¸r Literatur, Lyon, Raisons d\'Agir)

Co-Speaker: Rudolf Scholten (Kulturminister a.D., Wien)

Co-Speaker: Vincent Espagne (Observatoire de la mondialisation, Paris)

Co-Speaker: Elisabeth Nemeth (Philosophin, Universit"t Wien)







Depot

Atelier VI

Die Kunst des Marktes

Welche Konsequenzen hat die neoliberale Wende f¸r die Kulturarbeit? Kunst
wird zunehmend da erm–glicht, wo sie entweder staatlichen
Repr"sentationsbed¸rfnissen oder der Nachfrage eines kommerzialisierten
Marktes entspricht. Kunst und Bildung werden Rentabilit"tskriterien
unterworfen. Die Kunst der Stunde ist Widerstand.

Speaker: Pascale Casanova (Literaturkritikerin, Paris)

Co-Speaker: Wolfgang Zinggl (Kunsttheoretiker, Wien)

Co-Speaker: Serge Halimi (Co-Chefredakteur Le Monde Diplomatique)

Co-Speaker: Catrin Pichler (Kuratorin, Wien)

Co-Speaker: Annie Pourre (Arbeitslosenbewegung, Paris)
Kunsthalle

Atelier VII.

Daþ aus Zuwanderern \"unsere Landsleute\" werden.

Das Thema \"Immigration\" ist das groþe Thema der Rechten, auf dessen
R¸cken sie zu Erfolgen getragen wird. Die Linke antwortet darauf mit
Begriffen wie \"Multikulturalismus\" und \"Integration\" - ohne, daþ die
Sprengkraft der Problematik damit nennenswert entsch"rft werden k–nnte. Auf
welcher Ebene l"þt sich der rassistische Diskurs aufbrechen? Gleiche
Rechte, ein neues Konzept von \"Citizenship\" sind das Gebot der Stunde.
Und eine Politik, die aus Fremden nicht nur \"Zuwanderer\" und anerkannte
Andere macht, sondern diese zu \"unseren Landsleuten\".

Speaker: Rainer Baub–ck (Migrations- und Integrationsexperte, Akademie der
Wissenschaften, Wien)

Co-Speaker: Aminata Diane oder Antoine Gonti (Coordination Nationale de
Sans Papiers, Paris)

Co-Speaker: Anetta Kahane (Amadeu-Antonio-Stiftung, Berlin)

Co-Speaker: Catherine Levy (Soziologin, Paris)

Co-Speaker: Hakan G¸rses (Philosoph, Redakteur \"Stimme\" - von und f¸r
Minderheiten, Wien)

Co-Speaker: Max Koch (Sprecher SOS-Mitmensch, Wien)



13- 15Uhr

Secession

Atelier IIX.

Zivilgesellschaft! Zur Karriere eines Begriffes.

Die Zivilgesellschaft ist in aller Munde. In ÷sterreich folgte dem Antritt
der \"Koalition mit dem Rassismus\" ein veritabler \"Aufstand der
Zivilgesellschaft\". Doch ist es nur ein Modewort? Wenn nein: Was kann die
Zivilgesellschaft, was die traditionellen Akteure nicht (mehr) k–nnen? Was
ist ihr Verh"ltnis zu Parteien und welches ist das Verh"ltnis
\"zivilgesellschaftlicher\" Politik zur staatlich verfaþten \"politischen\"
Politik?

Speaker: Isolde Charim (Philosophin, Wien, Demokratische Offensive)

Co-Speaker: Yves Dezalay (Soziologe, Raisons d\' agir, Paris)

Co-Speaker: Oliver Marchart (Philosoph, Wien)

Co-Speaker: Silvio Lehmann (Soziologe, Republikanischer Club, Wien)

K¸nstlerhaus, Ranftlzimmer

Atelier IX.

Was ist eine Gewerkschaft. Heute.

Kampfbereitschaft und der gewerkschaftliche Organisationsgrad sinken. Der
Internationalisierung des Kapitals hinkt die \"internationale Solidarit"t\"
der Besch"ftigten nach. Welches sind die M–glichkeitsbedingungen einer
europ"ischen Gewerkschaft, im Spannungsfeld von Maastricht, prekarisierten
Arbeitsverh"ltnissen, der Exklusion zugewanderter Arbeiter, eines neuen
Arbeitnehmertypus...

Speaker: Detlev Hensche (IG-Medien, BRD)

Co-Speaker: Wilhelm Haberzettel (Vorsitzender Gewerkschaft der Eisenbahner,
Wien)

Co-Speaker: Klaudia Paiha (Bundessekret"rin Unabh"ngige GewerkschafterInnen
im ÷GB)

Co-Speaker: Margaretha Steinr¸cke (Soziologin, Bremen)

Co-Speaker: LÈon CrÈmieux (SUD, Paris)

Co-Speaker: Norbert Nischkauer (Vorsitzender FSG i.d. GPA,
Zentralbetriebsrat Verbundgesellschaft)





15.15 - 17.15 Uhr

K¸nstlerhaus, Ranftlzimmer

Atelier X.

F¸r unser Land! Zum paradoxen Patriotismus.

\"Und weil wir unser Land verbessern / Besch¸tzen und beschrimen wirís\",
heiþt in in Bertolt Brechts Kinderhymne. In Europa wird wieder verst"rkt
Politik mit Chauvinismus gemacht. In ÷sterreich ist rechte Vaterlandstreue
fast Staatsdoktrin. Gibt es die M–glichkeit eines linken Patriotismus,
gest¸tzt auf den Stolz auf ein offenes Gemeinwesen, das Bande der
Solidarit"t zwischen Privilegierten und Unterprivilegierten kn¸pft? Das
Postulat der \"Demokratischen Offensive\" - \"Wir sind ÷sterreich\" - soll
zur Diskussion gestellt werden.

Speaker: Robert Misik (Publizist, Demokratische Offensive)

Co-Speaker: Gerald Raunig (IG-Kultur, Wien)

Co-Speaker: Sebastian Reinfeldt (Politikwissenschaftler, Wien)

Co-Speaker: Doron Rabinovici (Schriftsteller, Demokratische Offensive)



Secession

Atelier XI.

Die Lage der Frauen in Europa

Der Kampf der Frauen gegen die tradierte Zuordung, H¸terin der Familie zu
sein, begann zeitgleich mit der Geschichte des Kampfes um soziale
Gleichberechtigung. Nicht zuf"llig erfahren die errungenen Erfolge der
Frauenbewegung jetzt schwere R¸ckschl"ge. Das freie Spiel ungleicher Kr"fte
f¸hrt dazu, daþ die schw"chere Seite unterdr¸ckt wird. Welche besonderen
Auswirkungen hat der neoliberale Mainstream auf die Frauen - die in
unbezahlte, unterbezahlte, weil deregulierte Arbeit gedr"ngt werden?

Speaker: Annick CoupÈ (Gewerkschafterin, SUD-PTT, Paris)

Co-Speaker: Margareta Steinr¸cke (Soziologin, Bremen)

Co-Speaker: Johanna Dohnal (Frauenministerin a. D, Wien.)

Co-Speaker: Meike Lauggas (Historikerin, Wien)









17.30 - 19 Uhr, K¸nstlerhaus, Plenardebatte

19.30 Uhr, K¸nstlerhaus:

\"Wiener Vorlesung\" von Pierre Bourdieu

Mit einer Einleitung von H. C. Ehalt

Anschlieþend Diskussion

(Z"hlkarten ab 7.11. im K¸nstlerhaus erh"ltlich)
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Sonntag, 12. November
10.30 Uhr, K¸nstlerhaus

Podiumsdiskussion:

Translation-Resistance.

Protest, Widerstand, ziviler Ungehorsam in demokratischen Gesellschaften:
Techniken, Formen, Instrumente

Es diskutieren:

Pierre Bourdieu

Natascha Kandic (Human Rights Center, Belgrad, angefragt)

Ein Vertreter von OTPOR, Belgrad)

Aminata Diane (Coordination Nationale de Sans Papiers, Paris)

Anetta Kahane (Amadeu-Antonio-Stiftung, Berlin)

Noel Godin (Patissiers sans frontiÈres, Br¸ssel)

Rami Adout (Physicians for Human Rights, Jerusalem)

Moderation: Isolde Charim

(Z"hlkarten ab 7.11. im K¸nstlerhaus erh"ltlich)
Abschluþ: Pr"sentation der \"Wiener Erkl"rung\"









III. Grundlagentext Raisons d\' agir
Raisons d\'agir - Wiener Widerstandskonferenz im November 2000

Vorschl"ge zur Gestaltung des Programms (Pierre Bourdieu/Franz Schultheis,
Paris, 18.9.2000)

Die Gruppe Raisons d\'agir rund um ihren Gr¸nder Pierre Bourdieu hat zum 1.
Mai 2000 einen Aufruf zur Einberufung der Generalst"nde f¸r ein soziales
Europa (die sogenannte Charta 2000) in verschiedenen europ"ischen
Printmedien ver–ffentlicht. Die Resonanz auf diesen Aufruf war ¸berraschend
groþ und positiv. Tausende von Unterschriften aus vielen verschiedenen
L"ndern gingen ein und wurde auf der Website von Raisons d\'agir (
www.Raisons.org ) nebst der Charta 2000 ver–ffentlicht. Getragen von dieser
beachtlichen Zustimmung organisiert die Gruppe
r d\'a mit Hilfe ihrer Mitarbeiter in den verschiedenen europ"ischen
L"ndern eine Reihe von Treffen, bei denen engagierte Forscher,
Gewerkschafter, Vertreter sozialer Bewegungen, Journalisten, K¸nstler aller
Gattungen und allgemein politisch Engagierte in einem internationalen
Zusammenhang und Diskurs an einer dauerhaften und effizienten politischen
Vernetzung unterschiedlichster Organisationen und Gruppierungen arbeiten,
welche sich und ihre Ziele in der Charta 2000 wiederfinden und hierin eine
erste Plattform f¸r diese Zusammenarbeit sehen. Bisher fanden Tagungen in
Paris, Z¸rich und Berlin statt. Dank einer Einladung seitens Wiener
Widerstandsgruppen kam es zu der Ðbereinkunft, die n"chste Tagung von
Raisons d\'agir in der Zeit vom 10. bis 12. November in Wien abzuhalten.
Hierin sehen wir eine doppelte symbolische Signalwirkung: Einerseits geht
es um die Pr"senz progressiver europ"ischer Kr"fte am Schauplatz der
aktuell wohl engagiertesten politischen Auseinandersetzungen!
 im Europa der 15. Das Interesse an einer Zusammenarbeit mit den Wiener
Widerstandsbewegungen gilt dabei nicht zuletzt den hier im Umgang mit einer
besonderen nationalen bzw. nationalistischen Variante der neoliberalen
Wende gemachten Erfahrungen mit neuen symbolischen Formen politischer
Gegenwehr und der Art und Weise, wie hier Gegenfeuer gegen die
restaurativen Tendenzen gelegt werden. Wenn Raisons d\'agir also f¸r einige
Tage zu Gast bei diesen Gruppen sein wird, um m–glichst dauerhafte Formen
der Vernetzung und Kooperation zu entwickeln, so geht es hierbei nicht
allein um eine Bekundung der Solidarit"t mit der in ÷sterreich gegebenen
\"Sonderlage\", sondern auch um das Aufdecken und Thematisieren der hinter
diesen nationalen Partikularit"ten mehr oder wenig gut kaschierten
generellen Entwicklungstendenzen im Zusammenhang mit der neoliberalen
Transformation in Europa und der unter dem Label des \"Dritten Weges\"
eingeleiteten Selbstaufl–sung der europ"ischen Sozialdemokra!
tie. Die Charta f¸r die Einberufung der Generalst"nde f¸r eine soziales
Europa soll im Rahmen dieser gemeinsamen Veranstaltung weiterentwickelt und
konkretisiert werden und im Hinblick auf die nachfolgende Tagung von
Raisons d\'agir in Athen im Fr¸hjahr 2001 zu einer noch breiteren
–ffentlichen Wirkung und Zustimmung beitragen.

Mehrere Dutzend Forscher, K¸nstler, Vertreter sozialer Bewegungen und
Gewerkschaften aus verschiedenen europ"ischen und auþereurop"ischen L"ndern
werden drei Tage lang in verschiedenen workshops ¸ber
gesellschaftspolitisch brennende Fragen - von der Globalisierung und ihren
sozialen und kulturellen Implikationen bis hin zu Problemen der
europ"ischen Integration (Stellung der Frauen, Migration, Rolle der
Gewerkschaften etc.) - diskutieren, ihre Erfahrungen und Kenntnisse
austauschen und den Versuch unternehmen, jenseits eingefahrener nationaler
Denkmuster in einen reflexiven interkulturellen Austausch zu treten und an
der schrittweisen Realisierung eines neuen linken Internationalismus in
Fortf¸hrung des groþen gesamteurop"ischen Programms der \"Aufkl"rung\" zu
arbeiten. Um politische Wirksamkeit zu erreichen, bedarf unser Projekt der
Unterst¸tzung der uns strukturell und politisch wahlverwandten europ"ischen
Presse. W¸nschenswert w"re deshalb, eine starke Pr"senz von Journal!
isten einschl"giger Printmedien der verschiedensten L"ndern zu erreichen
und die Ergebnisse unserer kollektiven Arbeit an den genannten Fragen einem
breiteren Publikum zug"nglich zu machen.

ZEIT: 9.-12. November in Wien

3 Plenarsitzungen (f¸r 400 Zuh–rer)

Arbeitskreise (f¸r ca. 80 Zuh–rer)

Vorlesung: Pierre Bourdieu

Matinee im Burgtheater?

K¸nstlerhaus
IV. M–gliche Teilnehmer r d\'a
Aguiton, Christophe (Arbeitslosenbewegung/Paris)

Boughanemi, Fadila (EU Br¸ssel)

Bourdieu, Pierre (r d\'a)

Carles, Pierre (Filmemacher, Paris)

Casanova, Pascale (Literaturkritikerin)

CGT-Finances (1 Vertreter)

Christin, Rosine (r d\'a)

Contesenne (Gr¸nder der marche europeÈnne)

Cordonnier (÷konom)

CoupÈ, Annick (Vize-Pr"sidentin SUD)

Debons, Claude (CFDT-Paris)

Dezalay, Yves (Soziologe, Paris)

Dixon, Keith (r d\'a, Grenoble)

Europe inc. (1 Vertreter dieser niederl"ndischen Gruppe)

Eyraud, Jean-Baptiste (droit devant)

Fo, Dario (Theatermacher, Mailand)

Gennar, Raoul (NGO, Br¸ssel)

George, Suzanne (ATTAC-Vize-Pr"sidentin)

Giner, Didier (Werbefachmann)

Hensche, Detlef (IG-Medien, Stuttgart)

Kanadische Gruppe (Kontakt ¸ber Jennar)

LalumiËre, Catherine (Europ. Abgeordnete)

Lebaron, FrÈdÈric (r d\'a, Paris)

Lecerf, Christine (Kontaktperson zur –sterreichischen Presse)

LÈvy, Catherine (Gewerkschafterin, Paris)

Lordon, FrÈdÈric (÷konom, Paris)

Mauger, GÈrard (Soziologe, r d\'a, Paris)

Nada, Lisa (Journalistin beim Westschweizer Fernsehen)

Moore, Michel (Filmemacher)

Panayatoupolos, Nikos (Soziologe, r d\'a, Athen)

Podalides (Filmemacher)

Pourre, Annie (Arbeitslosenbewegung)

Salesse, Yves (Franz. Staatsrat)

Spadoni (Marche europeÈnne)

Steinr¸cke, Magareta (Soziologin, r d\'a, Bremen)

Tavernier (Filmemacher, Paris)

Van Campenhoudt, Luc (r d\'a, Br¸ssel)

Voutat, Bernhard (Soziologe, r d\'a Schweiz)

Wacquant, Loic (Soziologe, r d\'a, Berleley)

WOZ/Schweiz (1 Vertreter)

Yazgi, Nicolas (Ethnologe, r d\'a, Schweiz)

Z.E.G. Konstanz (r d\'a: 3 Teilnehmer)










Prag: Polizeiprovokateur bei Demo
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From: "fewor-netbase"  fewor@no-racism.net 


Neues Fotomaterial von Anti-IWF-Protesten in Prag setzt Innenminister unter
Druck
taz, die tageszeitung, 2.11.2000
http://www.taz.de/tpl/2000/11/02.nf/text?Tname=a0035&list=TAZ_a2&idx=1

PRAG taz Internationale Verschwörungstheorien sind beliebt, besonders bei
tschechischen Politikern. So auch nach den Demonstrationen gegen IWF und
Weltbank Ende September in Prag. Das Innenministerium lobte die Polizei für
ihren Einsatz, Berichte über Polizeibrutalität und Provokateure wurden von
Innenminister Stanislav Gross und Premierminister Milos Zeman als
internationale Verleumdungskampagne abgetan.

Doch so einfach geht es nicht - die Demos waren keine rein innertschechische
Angelegenheit. So sammelt amnesty international Berichte von Verhafteten, um
eventuell eine Sammelklage wegen der unwürdigen Bedingungen, denen die
Demonstranten in Polizeistationen, -zellen und dem Abschiebelager Balkova
ausgesetzt waren, gegen das Innenministerium einzureichen.

Nicht allein deshalb wird Minister Gross noch einiges zu erklären haben.
Bislang hat das Innenministerium den Einsatz von Polizeiprovokateuren strikt
verneint. Jetzt hat das tschechische Wochenmagazin Tyden einen Artikel samt
Bildern veröffentlicht, die zeigen, wie ein Polizist in Zivil mit einem
Holzknüppel auf Demonstranten losgeht. "Dem Gesetz nach darf ein Polizist
zwingende Mittel einsetzen, aber ein Holzknüppel gehört nicht dazu", sagt
der tschechische Rechtsanwalt Petr Toman. Pech für den Polizisten, der bei
seiner Arbeit so schön für die Fotografen posierte. Das Innenministerium hat
sich dazu noch nicht geäußert. Dafür ist Ex-Innenminister Jan Ruml umso
redefreudiger. "Ein Zivilpolizist darf sich nicht wie ein Mitglied einer
Einsatztruppe verhalten", verriet Ruml der Tyden. Außerdem müsse er sich bei
Verhaftungen als Polizist ausweisen, Zeugenaussagen nach hat das der
Zivilpolizist nicht gemacht. "Falls er jemanden verletzt hat, kann er wegen
Amtsmissbrauchs und Körperverletzung bestraft werden", glaubt Ruml. Außerdem
muss das Innenministerium, ob es nun will oder nicht, den Fall untersuchen.
ULRIKE BRAUN




 
 

 
 

Redaktionsschluss: Samstag, 4. November 2000, 22.00 Uhr, ca

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