Freitag 27. Oktober 2000

keil1.gif(893 Byte) Samstag-Busse-Klagenfurt

keil1.gif(893 Byte) widerstandslesungen/uhudla

keil1.gif(893 Byte) Neue Mailadresse und Netzseite

keil1.gif(893 Byte) Zur Antisemitismus-Debatte

keil1.gif(893 Byte) zu Alexander Muth

keil1.gif(893 Byte) Enthüllung des Mahnmals auf dem Wiener Judenplatz

keil1.gif(893 Byte) Thema Überwachungsstaat

keil1.gif(893 Byte) Abschiebetermin von Hueseyin Calhan ist Dienstag 11.45 D-Dorf Flughafen

keil1.gif(893 Byte) NEU!!!! Antirassismus-Forum

keil1.gif(893 Byte) Groteske Realität

keil1.gif(893 Byte) Redebeitrag und PDS Antrag zur EMRK Debatte am 26.10. 2000 im Bundestag

keil1.gif(893 Byte) Protesters' Message Heard at Meeting

 

Diese Ausgabe hat Christian Apl (a9503809@unet.univie.ac.at) zusammengestellt.

 

 

 

 

 

 


Wie der MUND entsteht ....


 


Die Mexiko-Plattform ist ab sofort ständig im Internet zu erreichen: 
http://www.oneworld.at/mexiko-plattform

Auch die Mund-Homepage hat nun einen ständigen Bereich für Beiträge der Mexiko-Plattform eingerichtet: Heute findet Ihr hier die Pressezusammenfassung für den 12. Oktober.



 



Was auf der letzten Drahdiwaberl CD
von EMI zensuriert wurde

"Schulterschluss"
(Österreich ist kein Naziland....) mit Hubsi Kramar

Saugt euch die MP3



Fotoreportage: HumpDump over Favoriten

Teil II

 

 
















Samstag-Busse-Klagenfurt
Zurück
        From: rosa flieder  rosaflieder@hotmail.com 


FW von Didi Zach, bitte noch weiterverbreiten!!!
Die Sonne des Südens und unsere Hitze - da schaut jeder Lindwurm etc. alt
aus!

Liebe Freunde und Freundinnen

Es gibt noch freie Plätze für die BUS-Anreise aus Wien
zur Demo anläßlich der internationalen Widerstandstage
am 28. Oktober in Klagenfurt!!!!
Kostenpunkt: 250,-- Alpendollar für hin und retour;
Kinder unter 15 Jahren gratis!!!

Aus Italien werden dutzende Busse kommen - aus Wien
hält sich die Begeisterung bis jetzt in Grenzen. Wann
- wenn nicht jetzt!!!!

Abfahrtsort der Busse aus Wien am 28. Oktober zwischen
Uni und Rathaus (Grillparzerstrasse) um 9:00 Uhr.
Rückfahrt von Klagenfurt (Neuer Platz) voraussichtlich
um 20:00 Uhr(Ankunft in Wien um 1:00 in der früh).

BITTE SOFORT bei
einer der folgenden Kontaktadressen buchen.

per mail:
demo_celovec@yahoo.com
didi_zach@yahoo.de

oder persönlich bei der "Botschaft der besorgten
Bürger" (dort Bareinzahlung) am Heldenplatz.


Wer sich per Mail anmeldet möge bitte umgehend auf das
BAWAG-Konto Nr. 05310.031.161
BLZ: 14.000 einzahlen.

Allgemeine Infos zu den internationalen
Widerstandstagen in Klagenfurt im Internet unter
http://www.offeneskaernten.cjb.net/






widerstandslesungen/uhudla
Zurück
        From: Traude  widerstandslesung@gmx.at 


infos, berichte, autorInnenstimmen zu den widerstandslesungen bzw. zu uhudla
widerstand nachzulesen unter

http://lesen.lion.cc/read.it?what=news&detail=2945&tmp=74482





Neue Mailadresse und Netzseite
Zurück
        From: RKL  rkl@leninist-current.org 


Wir haben als Internationale Leninistische Strömung (ILS) eine neue
Netzseite:

www.leninist-current.org

Die Seite der Revolutionär Kommunistischen Liga (RKL) wurde in jene
integriert:

www.leninist-current.org/rkl

Unsere neue Emailadresse lautet:

rkl@leninist-current.org (für die RKL)
ilc@leninist-current.org (für die ILS)

Die alte Adresse (rkl@magnet.at) wird demnächst abgeschaltet.

**************************************
Revolutionär Kommunistische Liga (RKL)
(österr. Sektion der Internationalen Leninistischen Strömung - ILS)
PF 23, A-1040 Wien, Österreich
Tel & Fax +43 1 504 00 10
rkl@leninist-current.org
www.leninist-current.org/rkl
www.antiimperialista.com
Konto PSK 92 125 137 BLZ 60000





Zur Antisemitismus-Debatte
Zurück
        From: Csuss Jacqueline  j.csuss@xpoint.at 


Unter anderem zum gestrigen Beitrag 16 von : COFFEY Antonia
=============================================

Liebe Toni, zu meinen, dass eine Kritik an Israel keine Rückschlüsse auf die
Juden nach sich zieht, ist naiv, zumal Dir offenbar entgangen ist, daß paralell
zum Ausbruch des Aufstands (und Hand in Hand mit einer unverantwortlichen
Medienberichterstattung insgesamt und den Äußerungen französischer 
Politiker) in
Frankreich die Synagogen brannten; in England wurde ein orthodoxer Jude
erstochen (er saß im Bus und sein Unglück war, dass er an seiner Kleidung als
Jude erkennbar war). In Wien haben sich seit der Angelobung unserer unsäglichen
Regierung die antisemitischen Übergriffe vervielfacht. Inzwischen hat die
Regierung getreu ihrer Tradition - im Falle der ÖVP ein unaufgearbeiteter
Austrofaschismus und katholischer Antisemitismus, im Fall der F erübrigt sich
jeder Kommentar -  Israel im UN-Sicherheitsrat verurteilt - aus meiner Sicht
eine undifferenzierte und einseitige Beurteilung der Lage und im
österreichischen Kontext schlichtweg fahrlässig.

Natürlich ist Kritik an der Politik Israels nicht automatisch mit Antisemismus
gleichzusetzen. Es ist nur die Wirklichkeit, die uns eines besseren belehrt -
und die lautet, daß der Antisemitismus unter uns ist. Ich wohne im
Karmeliterviertel, das immer noch ein bisschen wie ein Dorf funktioniert, und
inmitten dieses Dorfes lebt heute wieder eine jüdische Gemeinde, die 
immer schon
hierher gehörte und doch nie erwünscht war. Sie ist es auch heute nicht. Das
gibt ihr der bösartig antisemitische Wiener und die ihm um nichts nachstehende
Wienerin zu verstehen, wenn sie den orthodoxen Chassidim ihre Niedertracht
hinterher zischen, der türkische Marktstandler ebenso wie der jugoslawische und
neuerdings jeden Freitag so manches Mitglied der muslimischen 
Gemeinde, wenn sie
nach dem Gebet auf der Praterstrasse durch das Czernin-Viertel oder über die
Taborstraße nach Hause gehen.

Schuld an den toten Palästinensern sind also nicht nur die israelischen
Streitkräfte und ein radikalisierter Mob, sondern jeder erkennbare Jude.

Arafat hat mit seiner Aussage in Camp David, dass er in der Jerusalem-Frage
nicht nur dem palästinensischen Volk verantwortlich ist, sondern 
einer Milliarde
Muslime auf der ganzen Welt, den Startschuß für einen Religionskrieg gegen
Israel gegeben. Es geht nicht mehr um die Beendigung der Besatzung in den
palästinensichen Gebieten (und somit um eine legitime Befreiung) und schon gar
nicht um ein friedliches Nebeneinander, sondern um die Vertreibung und
Vernichtung.

Antizionismus ist die logische Fortsetzung eines unaufgearbeiteten historischen
Antisemitismus. In Österreich allemal, denn "Österrich denken, heißt Auschwitz
denken".

Dorons Frage, ob eine Linke, die antisemitisch ist, noch links ist, ist sehr
wohl wert zu diskutieren. Nicht zuletzt stand seit dem 7-Tagekrieg immer wieder
gerade unter den (vor allem deutschen) Linken - wenn auch indirekt - die Frage
im Raum, ob ein Jude, der sich wehrt, ein guter Jude ist. Die Rede war zwar von
Israel, gemeint waren aber immer alle Juden. Das rächt sich heute in
Deutschland. In Österreich war immer schon alles anders, im entscheidenden
Moment dafür umso extremer und unfaßbarer.
Wer das nicht sieht, denkt völlig losgelöst von jedem historischen Kontext. Wer
hingegen nur von sich selbst ausgeht (im Stil von "für mich sind alle Menschen
gleich"), unternimmt nicht einmal den Versuch, sich vorzustellen, was es heißt,
Jude zu sein und in einer Stadt wie Wien zu leben.






zu Alexander Muth
Zurück
        From: Doron Rabinovici  rabinovici@adis.at 


Als ich mich gegen Antisemitismus, ob linken oder christlichen, im MUND zu
Wort meldete, vermengte ich diese Debatte absichtlich nicht mit dem Konflikt
in Israel und Palästina. Dies sind zwei paar Schuh. Mich deprimieren die
Ereignisse in meinem Geburtsland sehr. Ein Ende der Besetzung und des
Krieges zu wollen, beeinflußt jedoch nicht meine Verurteilung des
österreichischen Ressentiments.

Manche Mails aber zwingen einen zur tatsächlichen Berichtigung: Alexander
Muth stellt seit einigen Tagen israelische und palästinensische Kommentare
in den MUND. Sie sind ein kleiner, von ihm ausgesuchter Ausschnitt der
breiten Diskussion in den israelischen Medien. Neben diesen Kommentaren
setzt er einige eigene Sätze. In wenigen Worten offenbart Muth, daß es
keinen besseren Beweis für die Unendlichkeit gibt als sein gesammeltes
Unwissen über den komplexen binationalen Konflikt im Nahen Osten.

Ury Avnery, in der israelischen Linken als glühender Antikommunist
berüchtigt, erklärt Muth kurzerhand zum Mitglied der Kommunistischen Partei.
Dazu Folgendes; Avnery ist kein Linker im europäischen Sinne. Avnery hängt
einer eigenen nationalen Idee an; einer israelisch kaanitischen.

Muth zitiert Avnerys Kritik an Baraks Wunsch, mit Sharon zu koalieren, aber
Muth weiß uns nichts davon zu berichten, daß Avnery Barak bei den letzten
Wahlen gewählt und unterstützt hat. Der Kritik an Baraks Wunsch, mit Sharon
zu koalieren, schließen sich viele in Israel, darunter die Leute aus Peace
Now, viele Politiker, sogar Minister der Arbeiterpartei und der linkeren
Meretz an. Ich glaube im Übrigen ebenso, daß dies eine Katastrophe wäre.

Weiters behauptet Muth, vernünftige Stimmen wie Ury Avnery kämen in
österreichischen Medien nicht zu Wort. Merkte er denn nicht, daß Ury Avnery
letzte Woche zu Gast im ORF bei "Von Tag zu Tag" war. Las er keine
Zeitungen? Litt er in letzter Zeit unter Sehbeschwerden? Kann ihm da
geholfen werden?

Zudem setzt Muth Peace Now, die Demokratische Offensive und SOS-Mitmensch
gleich. Alle drei wollten, so Muth, eine sozialdemokratische Regierung.
Woher kommen diese Paralellisierungen? Woher stammen diese Phantasien? Wie
kann die Situation in Österreich und die blutige Realität im Nahen Osten auf
solch intellektuell unredliche Weise kurzgeschlossen werden?

Um ein wenig zur Klärung beizutragen. Peace Now, auch Shalom Achshaw
genannt, ist eine überparteiliche Organisation und strebt eine
Zweistaatenlösung für Israel und Palästina an; punktum. Neben den
international berühmten Massendemonstrationen unterstützt Peace Now auch
andere, weniger bekannte Friedensprojekte und versucht in der israelischen
Öffentlichkeit, die Bereitschaft zum Dialog zu stärken. Gush Shalom ist eine
jüngere und kleinere Bewegung im vielstimmigen, israelischen Friedenslager.

Es bringt uns nicht weiter, die verschiedenen, differenzierten Diskussionen
über linken Antisemitismus, österreichische Innenpolitik, das Wesen aller
sozialdemokratischer Parteien schlechthin und über den Konflikt im Nahen
Osten zu vermischen.

Statt andere Gruppen zu diskreditieren und zu verleumden, wäre es
sinnvoller, die verschiedenen Fähigkeiten und entsprechenden Möglichkeiten
der vielen Intiativen der österreichischen Protestbewegung, deren Parole
"Widerstand" lautet, zu nutzen.





Enthüllung des Mahnmals auf dem Wiener Judenplatz
Zurück
        From: www.ballhausplatz.at  db.work@db-site.com 


Enthüllung des Mahnmals auf dem Wiener Judenplatz
-------------------------------------------------------------------
posted by peter www.ballhausplatz.at

am mittwoch 25.okt.00 ca. 12:00 fand ein festakt, anlässlich der enthüllung
des Mahnmals auf dem Wiener Judenplatz, statt.
ein mahnmal des erinnerns, des gedenkens und des mahnens, an die von den
nationalsozialistInnen ermordeten 65.000 österreichischen jüdinnen und juden.

die österreichische bundesregierung war beim feierlichen festakt nicht
vertreten

reden wurden gehalten
* von vertretern der israelitische
kultusgemeinde (vom präsidenten der
kultusgemeinde und vom oberrabbiner),

* von vertretern der wiener stadtregierung
(vom bürgermeister von wien und vom wiener
kulturstadtrat)

* vom vertreter der kirche (von kardinal
schönborn - er verwies auf eine gedenktafel
in der die mitschuld der kirche an den
judenverfolgungen unmißverständlich
festgestellt wird)

* von simon wiesenthal

* und vom bundespräsident thomas klestil

die bundesregierung war nicht vertreten! ich konnte trotz mehrmaligen
anrufen und nachfragen die wirklichen hintergründe dafür nicht erfahren.

gesicherte fakten sind:

1. von der wr. stadtregierung:
(lt. dem Pressesprecher des Herrn Bürgermeisters Dr. Häupl, Herrn
Christoph Ronge)

a) das projekt dieses mahnmals war und ist ausschließlich ein projekt der
stadt wien und die bundesregierung war von anfang an in dieses projekt
nicht eingebunden.

b) der festakt der eröffnung wurde von der stadt wien veranstaltet und die
eröffnung wurde über die nachrichtenagentur apa angekündigt, andersherum
die bundesregierung hat keine offizielle einladung für den festakt von der
wiener stadtregierung erhalten

2. vom bürgerservice der regierung:
die bundesregierung hat von der wr. stadtregierung keine einladung bekommen
(ist keine offizielle stellungnahme - diese
werden nur journalistInnen gegeben - sondern ist eine an mich gerichtete
persönliche mitteilung.)

3. von der pressestelle der präsidentschaftskanzlei:
der bundespräsident hat offiziell eine anfrage bzw. einladung zum festakt
erhalten -vom veranstalter des festaktes, also von der wr. stadtregierung

4. meine eigene beobachtung:
kardinal schönborn - kein vertreter der wr. stadtregierung - hat ebenfalls
eine rede gehalten, nehme an ebenfalls aufgrund einer einladung der wr.
stadtregierung


offene fragen:
* war die bundesregierung auch nicht
finanziell in das projekt eingebunden ?

* wenn die bundesregierung finanziell nicht
eingebunden war, warum hat sie nicht von
sich aus einen finanziellen Betrag zur
Verfügung gestellt ?

* wenn das projekt ausschließlich ein
projekt der stadt wien ist und war, wieso
wurde dann der bundespräsident als
oberster repräsentant des staates von der
wr. stadtregierung zur enthüllung
eingeladen ?

* das mahnmal ist ein gedenken und mahnen
aller von den nationalsozialistInnen
ermordeten österreichischen jüdinnen und
juden - und nicht nur der wiener
juden/jüdinnen - also ein österreichweites
mahnmal. wieso wird dann die
bundesregierung nicht eingeladen - der
kardinal (im namen der christInnenheit und
nicht nur der wiener christInnen) und der
bundespräsident, als oberster
repräsentant von ganz österreich sind
sehr wohl eingeladen worden ?

* selbst ein vertreter in uniform des
bundesheeres (der wiener
bundesheerabteilung oder wie das heißt)
war anwesend -
warum kommen dann vertreterInnen der
bundesregierung - zumindest der övp -
nicht von sich aus zur eröffnung ?

* warum hat die bundesregierung keine (bis
25.okt.17:00 uhr war keine da, danach ?)
stellungnahme oder presseaussendung zum
mahnmal abgegeben - immerhin ist es ein
mahnen für alle österreichischen
ermordeten jüdinnen/juden und nicht nur der
wiener jüdinnen/juden


eigene bemerkungen:
ich nehme an, daß vertreterInnen der bundesregierung unerwünscht waren.

sowohl die veranstalterin - die wr. stadtregierung - als auch die
vertreterin der ermordeten - die kultusgemeinde - wollten, meiner meinung
nach, nicht, daß bundesregierung-vertreterInnen anwesend sind.

diese regierung hat sich für mich ein weiteres mal vollkommen
disqualifiziert. es wird ein mahnmal zum gedenken der ermordeten
österreichischen jüdinnen/juden in wien enthüllt und vertreterInnen der
österreichischen regierung können nicht anwesend sein, da sie unerwünscht
sind. unerwünscht, weil die övp der fpö eine regierungsbeteiligung
ermöglicht hat, eine fpö die viele für rassistisch halten.

in den nächsten tagen versuche ich weiter die offiziellen hintergründe der
nicht anwesenheit der bundesregierung herauszufinden.

nachfolgend die rede des bundespräsidenten

Rede von Bundespräsident Dr. Thomas Klestil anlässlich der Enthüllung des
Mahnmals auf dem Wiener Judenplatz am Mittwoch, dem 25. Oktober 2000


Verehrte Festgäste,
meine Damen und Herren!

Wie weit reicht unsere Erinnerung? Zu welchen Schichten der Vergangenheit
vermag unser Wissen, Denken und Fühlen noch zu dringen?

Erreichen uns noch die Erzählungen und Einsichten unserer Vorfahren?

Können wir in den Steinen früherer Zeiten noch lesen? Und: Wie lange dauert
die Vergangenheit?

Wir sind heute an einem Ort versammelt, der uns in ganz besonderer Weise
mit der wechselvollen Geschichte unserer Heimat konfrontiert und uns
Geschichten von Leid und Freude, von kulturellen Höchstleistungen und
abgrundtiefem Hass erzählt. Hier, am Wiener Judenplatz, wird aber auch
sichtbar, dass Vergangenheit und Gegenwart eng miteinander verwoben sind,
hier wird erfahrbar, dass nur aus der Vergangenheit, die wir nicht mehr
ändern können, eine bessere Zukunft gestaltet werden kann. Darin besteht
die Lehre der Geschichte.

Wir Österreicher sehen uns gerne als Erben und Träger einer großen
kulturellen Tradition, die uns dazu befähigt, auch heute noch
Herausragendes auf diesem Gebiet zu leisten. Was aber für die Sonnenseite
unseres Landes zutrifft, muss es nicht auch für die Schattenseite gelten?
Müssen wir uns als Erben nicht auch den besonderen Unmenschlichkeiten
unserer Geschichte stellen?

Lassen Sie mich diese Ambivalenz unserer Geschichte kurz verdeutlichen:

Hier, am Wiener Judenplatz, steht jenes Haus, in dem Wolfgang Amadeus
Mozart die Oper "Così fan tutte" schrieb; hier im Haus Nummer vier ging
wohl auch sein Librettist Lorenzo da Ponte, Sohn eines jüdischen
Handwerkers aus Venetien, ein und aus.
Hier, am Wiener Judenplatz, fanden sich schon im späten Mittelalter viele
Juden zum gemeinsamen Gebet zusammen; hier finden sich aber auch die
Zeugnisse eines jahrhundertealten Judenhasses. Wir stehen auf den
Fundamenten jener Synagoge, in der vor mehr als fünfhundert Jahren die
immer wieder aufflammende Vertreibung, Verfolgung und Ermordung der Wiener
Juden in einer verzweifelten Selbstverbrennung gipfelte. Und wir erkennen,
dass es auch in dieser Hinsicht eine lange Kette der Verstrickung gibt, die
wir in Trauer und Demut als Teil unserer Geschichte akzeptieren müssen, und
die sich wie ein Schandmal durch die Jahrhunderte zieht. Wir müssen dies
jedoch kennen, um bekennen zu können.
Hier, am Wiener Judenplatz, steht auch ein Denkmal des deutschen Dichters
Gotthold Ephraim Lessing, dessen Ringparabel als eindringliches Symbol der
Toleranz bis heute lebendig ist. Für uns ist mit seiner Person der Appell
verknüpft, immer aufs Neue die Kraft zu schöpfen, selbst couragiert für
Toleranz und die Akzeptanz des Anderen und Fremden einzutreten.
Hier am Judenplatz wird heute schließlich ein Mahnmal enthüllt, das dem
Gedächtnis der österreichischen Juden dient, die der größten
Unmenschlichkeit im vergangenen Jahrhundert zum Opfer fielen. Wenn ich sage
"Un-menschlichkeit", dann ist das eigentlich nicht richtig, denn es waren
Menschen, die diese geradezu industrielle Vernichtung von Millionen
Mitmenschen erdacht, geplant und konsequent in die Tat umgesetzt haben.
Unter ihnen waren viele Österreicher, die den Hass in ihrem Herzen so hoch
auflodern ließen, wie nur Menschen es können. Und Menschen waren es auch,
Bekannte, Kollegen, Nachbarn, ja Freunde, die damals durch die
unterschiedlichsten Beweggründe bereit waren oder dazu gebracht wurden, am
größten Verbrechen mitzuwirken, das am Volk der Juden je begangen wurde:
der Shoa.

Wenn wir heute der Enthüllung des Mahnmals beiwohnen, das die britische
Künstlerin Rachel Whiteread entworfen hat und das wie kaum ein anderes
Denk-Mal geeignet scheint, das Unbeschreibliche zu um-schreiben, dann
müssen wir auch die Mitschuld vieler Österreicher an den Verbrechen des
Nazi-Regimes bekennen. Und wir müssen auch daran festhalten und erneut
fordern, dass im heutigen Österreich jeder Ansatz von Antisemitismus und
Rassismus zurückgewiesen und bekämpft werden muss. Da gibt es kein
Ausweichen oder Wegschauen, kein Verständnis, oder Zugeständnis.

Auch nicht, wenn es darum geht, enteignetes Hab und Gut an Vertriebene oder
ihre Nachkommen zurückzugeben oder erlittenes Unrecht so gut es geht
abzugelten. Österreich hat Restitutionsgesetze beschlossen, die vorsehen,
dass der Staat von sich aus aktiv wird und Besitzverhältnisse prüft. Die
österreichischen Bundesmuseen haben bereits zahlreiche zu Unrecht in ihrem
Besitz befindliche Kunstwerke an die rechtmäßigen Eigentümer zurück
erstattet. Wie Sie wissen, sind gestern eine Reihe bilateraler Abkommen zur
Frage der Sklaven- und Zwangsarbeit unterzeichnet worden. Und auch
hinsichtlich der Arisierungen soll eine für beide Seiten akzeptable Lösung
gefunden werden. Die Verhandlungen darüber haben gestern begonnen.

Diese schrittweise Aufarbeitung der Vergangenheit auch in rechtlicher
Hinsicht wurde lange - viel zu lange - verabsäumt und hat das so wichtige
Verhältnis zu unseren jüdischen Mitbürgern und deren Nachkommen belastet.
Umso mehr muss es jetzt in unser aller Interesse sein, das Versäumte
nachzuholen.

Die jüdische Gemeinde in Österreich soll auch wissen, dass ihr Beitrag zum
kulturellen Leben in diesem Land ein sehr wertvoller, ja unverzichtbarer
Bestandteil des Selbstverständnisses unserer Republik ist. Österreich, ja
ganz Europa, verdankt dem Judentum vielfältige, prägende Elemente. Es gilt
daher, das jüdische Leben weiterhin zu fördern und zu schützen.

Meine Damen und Herren!

Nun wird man vielleicht sagen: Ist das nicht alles längst bekannt? Sind das
nicht Selbstverständlichkeiten? - Ich möchte mit Gegenfragen antworten:
Werden in Europa nicht auch heute Brandsätze auf Synagogen geworfen? Werden
nicht stets aufs Neue jüdische Friedhöfe geschändet?

Wachsamkeit und Zivilcourage sind daher ein Gebot der Stunde. Lassen Sie
uns gemeinsam Wächter dieser Tugenden sein!

Freilich hört man immer wieder Fragen wie: Sollten wir nicht einen
Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen? Sollten wir nicht aufhören,
ständig nur auf die Vergangenheit zu schauen?

Dazu möchte ich in aller Klarheit sagen: Nur wenn wir uns der Opfer
erinnern, können wir unsere Zukunft gestalten.

Das ist es, was uns der Initiator dieses Mahnmals, Simon Wiesental, gelehrt
und vorgelebt hat. Ich möchte Simon Wiesenthal daher sehr herzlich danken -
ihm, der für Österreich ein großer Lehrer war, wenn es darum ging, der
Wahrheit Geltung zu verschaffen. Er hat sich immer als selbstloser Mahner
verstanden, wurde selbst oft missverstanden - und hat dennoch nicht
aufgegeben, sich einzig der historischen Wahrheit verpflichtet zu fühlen.
Kaum jemand weiß so genau wie er, wie schwer es ist, Erinnerung erlebbar zu
machen und auch die Fragen, die ich eingangs gestellt habe, in all ihrer
Tragweite und Komplexität zu ermessen:

Wie weit reicht unsere Erinnerung?

Wie lange dauert die Vergangenheit?

Der jüdische Dichter Richard Beer-Hoffmann hat in eindringlichen Versen
eine Antwort, seine Antwort darauf gegeben, wenn er schreibt:

"In uns sind alle. Wer fühlt sich allein?

Du bist ihr Leben - ihr Leben ist dein."

----------------------------------
Le Temps - recherche

Österreich. Einverständnis über die Zwangsarbeit

Mahnmal für die Opfer des Nazismus

Françoise Blaser, Wien Mittwoch, 25. Oktober 00 International
----------------------------------

Während also Österreich, die Vereinigten Staaten und fünf Länder aus dem
Osten am Dienstag zu einer Übereinkunft gekommen sind was die
Entschädigungszahllungen für die Zwangsarbeiter während des Nazismus in
Österreich betrifft (Wien hat sich dazu verpflichtet, 654.000.000 Franken
(das sind 5.961.000.000.000 Milliarden ATS, Anm.) für circa 150.000
Überlebende zu bezahlen), wird die Erinnerungsstätte für 65.000
österreichische Juden, die vom Naziregime ermordet worden waren, in Wien am
Mittwoch abend enthüllt werden, und das ist der Vorabend zum
Nationalfeiertag. Das Projekt stammt aus dem Jahr 1994 und man verdankt es
der Initiative von Simon Wiesenthal, dem berühmten Jäger der
Kriegsverbrecher der Nazis, er ist heute ein 90-jähriger.

Eine Synagoge bleibt Dieses Monument erhebt sich im Herzen der Altstadt.
Aber man hat es um einige Meter versetzt, nachdem die Vorbereitungsarbeiten
es erlaubt hatten unter dem Platz die Reste einer Synagoge zu entdecken,
die im 15. Jahrhundert eingeäschert worden war. Aber es haben sich Stimmen
erhoben, die gesagt haben, das diese Zeugenschaft eines Antisemitismus, der
bis zum Mittelalter zurückreicht, die wichtigere Erinnerungsstätte sei, und
dass es absurd sei, diese zu verbergen, indem man darauf ein modernes
Monument errichtet. Das Projekt, dass schließlich abgeändert wurde, sieht
den Respekt und die Wertschätzung der archäologischen vaterländischen
Errungenschaften vor, die Konstruktion des modernen Monuments und die
Errichtung eines Museums, in dem das Leben der jüdischen Gemeinschaft in
Wien im ältesten Haus auf dem Platz erzählt wird. Die Kosten sind
explodiert: vorgesehen waren 22.000.000 Schilling, geworden sind daraus
130.000.000 (das war schon seit dem Kaiser Franz Josef so, entweder gibt es
ein Dermalium, oder ein Provisorium, aber was es auch immer ist, es ist
teuer, Anm.) (das sind ca. 15.000.000 Schweizer Fränkli), und darum hat es
auch nicht am Kommentar der Extremisten der FPÖ gemangelt. Von den 9
Künstlern, die am Wettbewerb teilgenommen hatten, der von der Gemeinde auf
die Beine gestellt worden war, hat eine internationale Jury, die vom
österreichischen Architekten Hans Hollein präsidiert wurde, das Projekt des
Engländers Rachel Whiteread auserkoren: es handelt sich um ein rechteckiges
Monument aus Beton, und das wird für immer von einer Doppelflügeltüre
verschlossen werden. Im Innern befindet sich eine Art von Bibliothek, die
mit Büchern ausgestattet ist, von denen man nur kleine Teilbereiche sieht.
Diese Bücher sind nicht greifbar, sie sind für immer versiegelt, wie das
Schicksal derjenigen, die massakriert worden sind.

www.ballhausplatz.at  vom 25.10.2000 20:42
Kommentar von: peter
Ausländicher Kommentar von: Le Temps (übersetzt von LEX)
Weitere Informationen:
http://www.doew.at/thema/judenplatz/gedenken.html#projekt





Thema Überwachungsstaat
Zurück
        From: helmut.poller  helmut.poller@chello.at 


Hallo MUND-Redaktion,

beiliegend ein Beitrag zum Thema Überwachungsstaat. Wegen der
Tagesaktualität (heute Verleihung des Big Brother Awards) bitte
noch Möglichkeit oben plazieren.

Mit freundlichen Grüßen
Helmut Poller

--------------------------------------------------------------------------
spurlos.at - Agentur für Verschlüsselung und Anonymisierung
http://www.spurlos.at

Helmut Poller
Tel.  +43 - (0)1 - 944 0214     Mobil +43 - (0)6991 - 944 0214


Spitzel, Schnüffler, Datensammler aufgepaßt, Österreich wird nicht zu eurer
Spielwiese!

Heute, 26.10, ab 21 Uhr, findet im Flex die Überreichung der Österreich-Ausgabe
des internationalen "Big Brother Award" statt. Diese "Auszeichnung" erhalten
Personen und Institutionen, die sich in Österreich besondere Verdienste um die
Verletzung der Privatsphäre erworben haben. Näheres unter
http://bigbrother.awards.at/
Die Spitzelaffäre der Freiheitlichen ist nur die Spitze des Eisbergs. 
Nicht alle
Daten, von denen die Bürger am besten gar nichts wissen sollen, liegen im
EKIS-System der Polizei. Vieles, was nach den alten Regelungen für die Polizei
noch verboten war, ist mittlerweile erlaubt, Stichwort "Erweiterte
Gefahrenforschung", Novelle zum Sicherheitspolizeigesetz 2000.
Menschen, die gegen diese Regierung sind, sollten unbedingt ihre Mails
verschlüsseln, Software zum Gratisdownload und umfassende Infos zur
Überwachungspolitik in  Österreich und Europa gibt es bei
http://www.spurlos.at/
Durch den Big Brother Award und die illegalen Aktivitäten einiger F-ler ist das
Thema Überwachungsstaat jetzt ein wenig ins Bewußtsein gerückt,
http://www.spurlos.at achtet darauf, daß es nicht gleich wieder in 
Vergessenheit
gerät! Noch immer verschlüsselt in Österreich fast niemand die Mails, 
obwohl das
nur die Mindestanforderung gegen die Wirkung automatischer Klartextanalyse ist.
Die jetzigen gesetzlichen Regelungen erlauben schon viel zu viel, weiteres
staatliches Übel droht dem Netz: Überwachungseinrichtungen, die direkt bei den
Providern eingebaut werden, Beschränkungen der Anonymität, Speichern der
Verbindungsdaten über unnötig lange Zeiträume, zwangsweise Filter- und
Zensurmaßnahmen und so fort. Eine schon lange aktive laufende Quelle zur
politsch-rechtlichen Seite der Bedrohungen im Web ist
http://www.quintessenz.at/
Der Gipfel ist die Verfolgung von Betreibern kritischer Sites, z.B.
http://www.dieklone.at/ :
besonders subversiv, weil lustig,  von Polizei im Auftrag Dichands 
terrorisiert,
Redaktionsgeheimis gebrochen.
Um die derzeitige Lage noch besser zu dokumentieren, um Aktivitäten gegen
bestehende und geplante Regelungen zu koordinieren, suche ich interessierte
Menschen, die technisch oder juristisch etwas zu den Inhalten auf
http://www.spurlos.at beitragen wollen.
Mail an  mailto:helmut.poller@chello.at

PRIVATSPHÄRE IST EIN MENSCHENRECHT !

VERSCHLÜSSELT EURE MAILS , BÖHMDORFER UND STRASSER LESEN MIT!






Abschiebetermin von Hueseyin Calhan ist Dienstag 11.45 D-Dorf Flughafen
Zurück
        From:  fluep@gmx.de 


Liebe Leute,

gerade haben wir vom WDR erfahren, dass fuer Hueseyin Calhan's Bleiberecht
die letzte Chance ausgeschlossen wird. Das Gesundheitsamt Paderborn hat ihn
(wie zuvor Mehmet Kilic) fuer reisefaehig erklaert. Gegenueber der Presse
teilte der Kreis Wesel mit, dass Hueseyin Calhan am 31.10. abgeschoben wird.

--
Fluechtlingsplenum Aachen
c/o Rotes Buero Aachen
Charlottenstr. 6, 52070 Aachen
Tel 0241/5152476 Fax 0241/5152478

P.S. Wer in unseren email- Verteiler rein oder auch raus will:
Bitte an  fluep@gmx.de  schreiben.






NEU!!!! Antirassismus-Forum
Zurück
        From: Angelo Lucifero  angelo.lucifero@hbv-th.de 


Bitte weiterleiten und unterstützen!
 Antirassismus-Forum

für alle, die aktiven Austausch wollen


HBV eröffnet Antirassismus-Forum im Internet

     Angesichts von Brandanschlägen und der Verfolgung Andersdenkender...
     angesichts der Schändung jüdischer Friedhöfe und der Aufmärsche
neonazistischer Organisationen...
     angesichts der alltäglichen Diskriminierung von Menschen in Betrieb und
Gesellschaft...

...bietet die Gewerkschaft HBV hier ein Diskussionsforum, um Menschen, die
aktiv etwas gegen
Rassismus unternehmen wollen, eine Unterstützungs- und Austauschmöglichkeit
zu geben.

Das Antirassismus-Forum soll für alle Fragen, Tipps und Hinweise
offenstehen, die sich mit Rassismus und
Neofaschismus beschäftigen, z.B. mit Fragen wie

     Was können wir tun gegen Diskriminierung und Rassismus in Betrieb und
Gesellschaft?
     Welche Aktionen und Aktivitäten kann ich unterstützen?
     Wo gibt es Bündnisse/Organisationen, bei denen ich mitarbeiten kann?
     Welche guten, nachahmenswerten Beispiele für Antirassismusarbeit
existieren?
     Wo gibt es Hintergrundmaterial?
     Wer hat Informationen über geplante Aktivitäten der rechten Szene?
     Wo gibt es betriebliche Erfahrungen mit Antidiskriminierungspolitik?
     Welche politischen Forderungen unterstützen eine
Antidiskriminierungspolitik?


                  Das Antirassismus-Forum - kurz: Antira-Forum - ist eine
Mailingliste. Es steht offen für alle.

                  Wer sich für das Antira-Forum anmeldet, erhält alle
E-Mails der anderen Teilnehmer/innen
                  zugeschickt, bzw. die eigenen Beiträge werden an alle
Forum-Teilnehmer/innen verschickt.


So meldest du dich bzw. melden Sie sich an:


Eine Mail schicken an majordomo@hbv.org mit dem Mailtext "subscribe antira".
Die zurückkommende Mail muss
beantwortet werden, um vor unerwünschten Fehleintragungen zu schützen.

Mails an das Antira-Forum werden an antira@hbv.org geschickt - aber erst
nach der Eintragung und nur an Mitglieder
der Antira-Liste!

Weitere Informationen zu Antirassismus und Rechtsradikalismus -
http://www.hbv.org/HBV.nsf/web-auto-frameset?ReadForm&q=/HBV/Themen



MsG
Angelo Lucifero
Gewerkschaft hbv Thüringen
Rudolfstr. 47/E2
99092 Erfurt
Besuchen Sie uns: www.hbv-th.de
0361 659980; 0172 3605751

Solidarität kennt keine Grenzen!
One race - human race






Groteske Realität
Zurück
        From: Angelo Lucifero  angelo.lucifero@hbv-th.de 


-----Ursprüngliche Nachricht-----
Von: AA Berlin
Betreff: Groteske Realität

Groteske Realität
Berliner Justiz zu "Scheibenwischer": Kritik an Abschiebepraxis darf
drastisch sein

----------------------------------------------------------------------

Was darf Satire? Diese einst von Kurt Tucholsky aufgeworfene Frage
beschäftigte dieser Tage die Berliner Staatsanwaltschaft. Satire darf
zumindest, so das Ergebnis der Untersuchungen, mit deutlichen Worten
Kritik an der mancherorts besonders drastisch zutage tretenden
Abschiebepraxis üben. Folgende Worte des Kabarettisten Dieter
Hildebrandt, der nach Ansicht des Wiesbadener Oberbürgermeisters
Hildebrand Diehl (CDU) wegen Beleidigung belangt werden sollte, sind
für die zuständigen Justizbehörden kein Grund, ein Verfahren
einzuleiten. In seinem TV-Programm "Scheibenwischer" sagte er am 12.
April dieses Jahres: "Eine kleine Zwischenfrage sei gestattet. Was für
Menschen sind eigentlich in der Ausländerbehörde Wiesbaden, die einen
Kurden, der schon zweimal halbtot der Folter in der Türkei entkommen
ist, Abdulcabbar Akyüz, wieder verhaftet haben.". Und weiter: "Da
frage ich mich, was sind das für Menschen, und dann meinen sie noch,
es wäre eine große Heldentat gewesen, jedenfalls !
 tun sie so. Wollen diese Damen und Herren vielleicht nachträglich
noch in die SS eintreten oder gehören sie zu den Leuten, die, ohne
geprügelt zu werden, immer laut schreien, sie wären stolz darauf
Deutsche zu sein, oder sind es gar keine, vielleicht sind es sogar
rechtsradikale Türken und man weiß es nicht?" Die Berliner
Staatsanwaltschaft lehnte es nun ab, gegen den Kabarettisten
vorzugehen. Zwar habe dieser auf die Mitarbeiter der Wiesbadener
Ausländerbehörde moralischen Druck ausgeübt, doch müsse Hildebrandt
zugute gehalten werden, daß es sich um Äußerungen in einer Kabarett-
Sendung gehandelt habe und groteske Darstellungen zu deren Stilmittel
gehörten. Im Mittelpunkt seiner Darstellung, so die Argumentation der
Staatsanwaltschaft, stehe das Ziel, dem Publikum "die
Fassungslosigkeit über die Vollstreckungsmaßnahme der Ausländerbehörde
möglichst drastisch und effektvoll zu vermitteln". Die Satire bzw. das
Groteske an Hildebrandts Außerungen bestehe ja gerade darin, daß !
 niemand nachträglich in die SS eintreten könne und auch niemand
ernsth
aft vermuten werde, daß für die Tätigkeit in der Wiesbadener
Ausländerbehörde türkische Staatsangehörige mit einer bestimmten
politischen Überzeugung ausgewählt worden seien. Hintergrund des
Rechtsstreits ist der bundesweit für Schlagzeilen sorgende Fall der
kurdischen Familie Akyüz. Obwohl mehrere Angehörige der insgesamt
elfköpfigen Familie in ihrem Herkunftsland Türkei nachweislich Folter
und sexuellen Mißhandlungen ausgesetzt waren, wurde im Febraur dieses
Jahres der Familienvater aus Deutschland abgeschoben. Trotz
vorliegender Gutachten einer Psychologin des Psychosozialen Zentrums
für Folteropfer in Frankfurt am Main, die den in Deutschland
verbliebenen Familienangehörigen schwerste Traumatisierungen als Folge
der erlittenen Mißhandlungen bescheinigte, entschied die Wiesbadener
Ausländerbehörde in der Zwischenzeit, daß nach dem Vater auch der Rest
der Familie in die Türkei zurück müsse. Der Vater lebt gegenwärtig in
der Türkei in wechselnden Verstecken, um seinen Peini!
 gern zu entgehen. Die anderen Familienangehörigen sind aus Angst
davor, ebenfalls in das Land abgeschoben zu werden, in dem sie neue
Verfolgungen und Übergriffe von Sicherheitskräften befürchten, in
Deutschland untergetaucht. Unterdessen kommentierte Oberbürgermeister
Diehl die Nachricht aus der Berliner Staatsanwaltschaft, kein
Verfahren gegen Hildebrandt einzuleiten, mit den Worten: "Ich
akzeptiere es nicht, ich erleide es".

Thomas Klein, Wiesbaden

Quelle: junge Welt vom 26. Oktober 2000
http://www.junge-welt.de

Antifaschistische Aktion Berlin [AAB]
Weydinger Straße 14-16 . 10178 Berlin
Fon: +49 30 2 756 0 756 . Fax: +49 30 2 756 0 755
E-Mail: aab@antifa.de . http://www.antifa.de/
W@P: http://www.antifa.de/wap/





Redebeitrag und PDS Antrag zur EMRK Debatte am 26.10. 2000 im Bundestag
Zurück
        From: Carsten Huebner  carsten.huebner@bundestag.de 


Liebe Freundinnen und Freunde,

hiermit schicke ich Euch zur Kenntnis meinen heutigen Redebeitrag und
den Entschließungsantrag der PDS-Bundestagsfraktion zum 50. Jahrestag
der Europäischen Menschenrechtskonvention. Für Anregung, Kritik und
Veröffentlichung danke ich schon jetzt.

Mit solidarischen Grüßen

Carsten Hübner
--
Büro Carsten Hübner, MdB
Platz der Republik 1
11011 Berlin

tel: +49-30-227 75533/75830/75831
fax: +49-30-227 76508
http://www.carsten-huebner.de

BesucherInnenanschrift:
Mauerstr. 36, Haus III
10117 Berlin
U-Bahn: Französische Strasse

[Die Beiträge können als doc-files von der Redaktion oder direkt vom Einsender
bezogen werden.]





Protesters' Message Heard at Meeting
Zurück
        From: fewor-netbase  fewor@no-racism.net 


Protester's Message Heard at Meeting

By Tom Cohen
 Associated Press Writer
 Wednesday, Oct. 25, 2000; 2:27 a.m. EDT

MONTREAL -- After two days of demonstrations that deteriorated into
ugly battles with police, some of the world economic leaders who
gathered here insist they hear protesters' message and want to tackle
the problems of globalization.

Police pushed about 200 protesters away from the hotel where finance
ministers and central bank governors from the Group of 20 were meeting
Tuesday night. Seven demonstrators were arrested.

Inside the downtown Sheraton Hotel, Canadian Finance Minister Paul
Martin said he and others at the meeting, which convenes again
Wednesday, shared the fears of some protesters over the distribution
of wealth from globalization.

If the benefits from integrating the world's economies "are limited
only to the privileged few, it's not going to work. It's unfair," said
Martin, the G-20 chairman.

Created last year, the G-20 aims to facilitate dialogue between the
world's richest industrial nations in the Group of Seven and some of
the biggest developing nations, including India, China and Brazil.

"It is incumbent on us to essentially provide developing countries
with the tools they require to be able to participate in
globalization," Martin said, urging financial leaders to tackle issues
like poverty, debt relief and corruption.

Still, Martin labeled intolerable the violence of Monday night, when
some demonstrators hurled chunks of asphalt, smoke bombs, bottles and
other debris at police. Thirty-nine protesters were detained.

The protesters, like those who have gathered at other global finance
meetings since one in Seattle last December, complained the private
meeting would protect the interests of wealthy nations without
benefiting the world's poor.

"The large majority of people feel disenfranchised and powerless,"
said Nadia Alexan of the Council of Canadians, which helped organize
the protest. "The corporations and multinationals impose their
ideology of the free market on citizens."

McGill University student Heather Fisher criticized the closed-door
policy at the meeting.

"We don't even know what they're discussing," she said. "Maybe they're
coming up with good solutions, but I really don't think so."

Delegates from the European Central Bank, International Monetary Fund
and World Bank joined the G-20 gathering.

Canadian officials said the ministers and bank governors were likely
to discuss unstable oil prices at some point.

U.S. Treasury Secretary Lawrence Summers, speaking in Washington on
Tuesday before leaving for Montreal, called for reforming weak banking
systems in the developing world as a way to protect what he described
as a recovery among emerging market economies. Federal Reserve
Chairman Alan Greenspan joined Summers at the talks.

Protests by a broad coalition of groups concerned about the
environment, poverty, workers' rights and other issues have become
commonplace at international meetings involving global trade.

Street violence disrupted the World Trade Organization meeting in
Seattle, and clashes also have occurred at gatherings this year,
including an IMF meeting in Washington, an Organization of American
States meeting in Ontario and a World Bank meeting in Prague, Czech
Republic.


 



 
 

 
 

Redaktionsschluss: Donnerstag, 26. Oktober 2000, 23.59 Uhr, ca
Fehler möge frau/man mir nachsehen!